Sauerei auf die Rechnung.
Donnerstag, Vierzehnter Februar, Zweitausendacht Neun Uhr Einunddreissig und Einundzwanzig Sekunden, ich sitze in meinem Büro, eine Stunde Achtundzwanzig Minuten und Neununddreissig Sekunden vor dem offiziellen Beginn meiner Arbeitszeit. An und für sich schon ungewöhnlich, doch aus praktischen Gründen kommt das in letzter Zeit häufiger vor.
Nicht dass ich Überstunden bezahlt bekommen, meine Überstunden aufschreiben, oder meine vorzeitige Anwesenheit überhaupt als Überstunden betrachten würde, ich bin einfach da, weil es nicht unpraktisch ist. Unpraktisch, und zwar äusserst unpraktisch ist hingegen, dass ich meine Anwesenheit nicht verbergen kann, und das zu dem unglücklichen, und wirklich bedauernswerten, Umstand führt dass ich meine Präsenz auch meinen absolut nicht geschätzen, weil absolut nicht schätzenswürdigen, Kollegen bewusst ist. Dieser unglückliche Umstand, dessen Unglücklichkeit ich gar nicht genug betonen kann, führt zu einem weitaus unglücklicheren Umstand, dessen Unglücklichkeit ich selbstverständlich noch intensiver betonen muss. Jener unglückliche Zustand, und ich meine den unglücklicheren der beiden ist der, was schon unglücklich ist, dass meine Kollegen nun schon viel früher beginnen mir mit ihren total lächerlichen, absolut hirnrissigen, und definitiv kleinlichen Problemen auf den Wecker zu gehen.
Sie gehen mir auf den Wecker, und das ist kein Wecker von der Sorte der einem Morgens abrupt vom Schlaf- in den Wachzustand katapultiert, sondern einer der Wecker wie sie an schludrig zusammengebastelten Apparaturen, mit blauen und roten Drähten hängen, deren Läuten man aufgrund des Knalleffektes, des Staubes, und der abgerissenen Körperteile nicht mehr wahrnehmen kann.
Das erste auf-den-Wecker-gehen fand zu der eingangs erwähnten Uhrzeit statt, in der für meine gehassten lUSER, die die Bezeichnung Kollegen nicht verdienten Art Weise statt, über den von mir nicht geschätzten Messenger:
lUSER1:schaust Du Dir bitte den Drucker von der lUSER2 an, der macht "Sauerei auf die Rechnung"
Aaaaaarrrrrgh! "der macht "Sauerei auf die Rechnung""!; "der macht "Sauerei auf die Rechnung"" ist genau der Satz den ich morgends um Neun Uhr Einunddreissig und Einundzwanzig Sekunden hören will. "der macht "Sauerei auf die Rechnung"" ist der Satz, der mich dazu motiviert Sauereien auf Rechnungen zu machen. Mit eben dieser Motivation, der Motivation eine erhebliche Sauerei auf eine Menge Rechnungen zu machen, einer Sauerei, die man ob des sonst gerinnenden Eiweises, besser mit Kaltem- statt mit heissem Wasser entfernt, trat ich in das Büro von lUSER2 ein, und zwar auf eine sehr eintretende Art.
Zielstrebig lief ich auf lUSER2 zu, die in Antizipation meines Auftrittes mit weit aufgerissenen Augen, gefletschten Zähnen, wie ein Stier der gerade einen Tieflader voller roter Tücher entdeckt hatte, da stand und mir mit gewaltiger Stimme, die ein ganz klein wenig den Zweifel, ob meine Reaktion auf diese Aktion gesundheitfördernd für sie ist, durchklingen liess, den Satz sufflierte den sie von mir erwartete: "WAS IST LOS!?". Beruhigt darüber nur das eigene Echo, und nicht den Klang abgetrennter Körperteile, die zu Boden fallen zu hören schilderte sie mir ihr Problem.
Ihr Problem war eben das ihr Drucker "Sauerei auf die Rechnung" macht, und zwar Sauerei wie sie entsteht wenn fünzig bis achtig Gramm Tonerstaub im inneren eines Druckers herumlagen, und nur darauf warten endlich "Sauerei auf die Rechnung" machen zu können. Und um mir zu beweisen, dass sie versucht hatte das Problem selbst zu beheben, griff sie in den Drucker, rüttelte an der Tonerkartusche woraufhin sich die Menge des innerhalb des Drucker herumfliegenden quadrierte.
Diese sehr aufschlussreiche Demonstration die sie nur aufgrund meiner bis dahin excellenten Laune überlebte, folgte eine kurze, aber eindringliche Belehrung darüber, wie denn "Sauerei auf die Rechnung" entsteht, und wie sie das beheben kann.
Erzürnt, und mit nicht mehr ganz so excellenter Laune stapfte ich zurück in mein Büro.
